Und wer schreibts?

Mein Leben – ein kleiner Abriss

Das Teilchenmodell ist etwas wo die festen Stoffe die man zerschlagen kann klein werden.

Elf Jahren tat ich nach außen hin erfolgreich so, als sei ich Lehrer. Offiziell bin ich immer noch Lehrer. Innerlich trauere ich manchmal den verschiedenen anderen Karriereansatzerfahrungen nach, die ich in den letzten 36 Jahren gesammelt habe.

Teil 1

Es begann damit, dass ich meinem Elternhaus als Dachdecker aufs Dach stieg. Damals ein netter Ferienjob, der nicht nur Spaß machte, weil ich nach Herzenslust auf dem Dach herumklettern konnte, sondern auch ein wenig Geld brachte. Die Lust an diesem Beruf flammte ein paar Jahre später noch einmal auf, ohne jedoch ein echtes Feuer zu zünden.

Der zweite Job, den ich nicht weiter verfolgte, war der des Hausmeisters in einer Schule. Ein paar Tage in ereignislosen Ferien langweilte ich mich herum, lies mich von schamlosen Reinigungskräften erfolglos provozieren und fachsimpelte am Ende mit Vertretern über das Reinigungsmittel Smellex (das es heute tatsächlich noch gibt).

Auch während meines Zivildienstes kam ich mit hausmeisterlichen Tätigkeiten in Berührung. Das Bohnern des Kirchenbodens, als Glöckner die Inbetriebnahme der Schwingeinrichtung für die Glockenhoden und die lichtlose Beschäftigung als hinter Rohren herumkriechender Heizungskelleranstreicher überzeugten mich
jedoch kaum.

Erst als eines Morgens eine aufgeregte Dame meine Hilfe anforderte, weil ein Grab auf dem Friedhof brannte, wurde es spannend. Tatsächlich eilte ich an den Ort des Desasters und fand einen brennenden Kranz vor. An diesem kalt-klaren Februarmorgen hatte sich eine Kerze selbstständig gemacht und bereits ein Drittel des Trauergesteckes zu Asche verwandelt. Beherzt holte ich einen Eimer Wasser und bereitete als Friedhofsfeuerwehrmann dem Spuk ein Ende.

Teil 2

Ein paar Jahre später als Gärtnereigehülfe rollte mir ein Mitarbeiter einen echten Totenschädel vor die Füße. Diesmal war ich vor einer Beerdigung aktiv und hob Gräber aus. Mit Schaufel und Spitzhacke – wie im Wilden Westen.

Im normalen Leben zwischen den Semesterferien wurde ich zum Biologen gemacht. Mit dem Zettel, auf dem Diplom stand, landete ich in einem Verlag, wo ich Buchstaben sortierte, wieder in Unordnung brachte, um sie dann wieder zu sortieren. Nach vier Jahren waren die Buchstaben alle und ich hatte fertig.

Nun saß ich in einem kalten Winter warm zu Hause. Ich ließ mir lustige Zettel schicken mit Stellenanzeigen. Was die Stellen verbrochen hatten, habe ich nie erfahren, weil die Briefe, die ich ihnen schrieb, nie richtig beantwortet worden sind.

So kaufte ich Salat mit Vitamin B und holte mir aus einer Druckerei viele viele Pappkärtchen, Klebepunkte und Pizzabodeninstantbackmischungstütchen. Zu Hause verteilte ich alles im Wohnzimmer, um irgendwie Pizzabodeninstantbackmischungstütchen mit Klebepunkten und diese mit den Pappkärtchen zu verbinden. Das zog sich, ohne dass sich mein Wohnzimmer von den Einzelteilen leerte.
Da war ich froh, dass zwischendurch mein Telefon klingelte und mich ein Mann zum Lektor machen wollte. Nun sortierte ich seine merkwürdigen Buchstaben neu, aber nicht neu genug, weil er doch eher einen Ghostwriter für Technik-Esoterik gesucht hatte. Also klebte ich weiter bis ich die Nase als Pizzabodeninstantbackmischungstütchenbekleber voll hatte und mein ganzes Wohnzimmer ohne Möbel der Druckerei zurückbrachte.

Teil 3

Das große graue Gebäude, das mich schon 7 Jahre erduldet hatte, bekam mich schließlich wieder, ich ließ mich zum Lehrer umbacken.

Zwischendurch war ich mal kurz Profi-Currywurstfotograf und Büchereinpacker.

Als sie mich zum Lehrer machten, wussten sie wohl nicht, was sie taten. Genau wie ich, als ich mich schließlich erfolgreich bewarb.

Nachmittags sortiere ich nun schon wieder Buchstaben von jungen Menschen.

Und weil das nicht genug ist, betreibe ich als Hobby das Mitbasteln an chemischem Gedankengut als Schulbuchautor.

Mittlerweile mache ich zum zweiten Mal Pause – diesmal, um etwas ganz anderes zu tun als all die Jahre: einen neuen Job backen…

 

 

Im alten Blog nannte ich mich Toby, deshalb sollte ich das mal beibehalten. Es ist zwar nicht mein richtiger Vorname, aber dafür ein Spitzname, den mehrere Leute, die mir sehr wichtig sind, benutzen.

Im alten Blog habe ich viel von meinem Job als Lehrer geschrieben, weil es mir sehr auf der Seele brannte. Das tut es auch immer noch, eigentlich mehr denn je, weil die Sache eher immer schwieriger als leichter wird. Aber ich bin es mittlerweile zunehmend leid rumzujammern, jedenfalls immer über dasselbe 😉
Sicher werde ich auch weiterhin mal etwas aus „Schule“ erzählen, der Schwerpunkt soll es jedoch nicht mehr sein. Eher möchte ich schreiben, was im Thalamus so stecken bleibt. Mal sehen, was das so ist.

Vielleicht gibt es demnächst auch noch mehr über mich zu lesen.