Tja

nun dauert 2005 noch 4 Stunden und fünfundvierzig Minuten.
In einer halben Stunde werde ich zu einer Party aufbrechen und weiß gar nicht, ob ich in Stimmung bin. Jedenfalls kann ich nicht das nun zu Ende gehende Jahr feiern. Dazu war es einfach zu nervig – zumindest, was den Job angeht. Privat gibt es keine akuten Probleme, dafür ein schleichendes, irgendwann umso größeres.
Aber der Job halt. So wie es im letzten Jahr war, darf es da nicht weitergehen. Ich muss für mich was tun und habe damit auch schon angefangen. Ob ein Versetzungsantrag hilft, weiß ich nicht. Bis Ende Januar sollte ich mich diesbezüglich entscheiden.
Was mich aber grundsätzlich nervt, ist die pessimistische Perspektive. Selbst, wenn es mir gelingen sollte, mit den Probleme besser fertigzuwerden, gibt es keine Aussicht auf grundsätzliche Besserung. Im Gegenteil, die Problemfälle werden eher mehr und heftiger werden. Und die Politik steckt den Kopf in den Sand, klopft sich selbst ob einiger belangloser Reförmchen auf die Schulter.
Und die andere Politik? Merkelnix schmeißt 3 Millionen für großformatige Belanglosigkeiten aus dem Fenster. Sie setzt auf Wachstum? Was soll bloß noch wachsen? Solange die Probleme von heute mit wirkungslosen rezepten von gestern angegangen werden, gibt es keinen Grund für Optimismus.

So genug genölt. Gottseidank gab es in 2005 auch viele schöne Momente, wenn sie auch nicht immer den Nerv ausgleichen konnten.

Ob ich hier noch meine Vorsätze für 2006 kundtue, werde ich morgen entscheiden ;-)

Absurdistan II

Und ich selbst musste heute an einen Spruch meines damaligen Mathelehrers aus der 9. Klasse denken: “Ich komme mir wirklich absurd vor, wenn ich das dahinten sehe!” In der ersten Stunde ist es das nicht vorhandene Arbeitsverhalten der 8. Klasse, dazu die Fäkalsprache eines Mädchens, dem ich mal mehr zugetraut hatte. Ein Junge sitzt fast die ganze Zeit mit dem Rücken zu mir, nachdem ich ihm deswegen eine Nachdenkpause vor der Tür verordnet hatte, holte ich ihn zur Explosion des Wasserstoff-Ballons wieder rein. Warum eigentlich? Warum soll ich diesen Schüler, der mir sein Desinteresse, ja eigentlich auch seine Missachtung so deutlich zeigt, an dem Highlight der Stunde teilnehmen lassen?

In der dritten Stunde empfahl ich einem Schüler, eine Banane zu nehmen und darüber ein Kondom einen Schniedelschoner mit Erdbeergeschmack zu stülpen. Das käme bestimmt gut.
Und dabei habe ich das noch nie ausprobiert.

In der vierten Stunde schrieb ich Tripezs an die Tafel statt Trizeps.

In der sechsten Stunde verging mir dann das Lachen endgültig. Jaja, 6. Stunde, 6. Klasse, das kann wohl auch nix sein. Sie sollten Schaltungen mit Schaltern aufbauen, parallel und in Reihe. Eigentlich einfach, zumal sie es vorher durchaus schon ein paar Mal gemacht hatten. Die einen basteln Kurzschlüsse, die sie mir stolz präsentieren und sich nicht wundern, dass die Lampe ausgeht, wenn man den Schalter einschaltet. Die anderen bauen Stromkreise, die irgendwie null Berührung mit dem Trafo haben. “Warum geht das so nicht?”
Noch wieder andere haben gar keine Checkung, einer hat sowieso ganz andere Bedürfnisse.
Ich hüpfe durch das Chaos, komme mir mir völlig absurd vor. Was hat dieses Thema, was hat überhaupt dieser Physikunterricht mit der Lebenswelt der Hauptschüler zu tun? Mit ihren Bedürfnissen, mit dem, was sie eigentlich lernen müssten, nämlich irgendwie zu überleben – später mal. Was zum Teufel muss einen 12jährigen, der mit sich und seiner Lebenswelt auf Kriegsfuss steht die UND- oder ODER-Schaltung interessieren?

Aber immerhin wird mir immer deutlicher, welches eine Ursache für den Schlamassel ist: Beim Fitness später starre ich auf die Monitore und sehe das permanente Verblödungsfernsehen, den Schwachsinn hoch drei, den die Privaten da stundenlang in allen möglichen Ausführungen in den Äther rotzen. Kann einen da noch irgendwie verwundern, was aus unserer Kultur und letztlich aus unserer Zivilisation wird?

Achja, Absurdistan: Da starten diese Knalltüten Beckenbauer und Glos eine Imagekampagne zur WM: die “Nationale Service- und Freundlichkeitskampagne”. Ich lache, aber ich lache sie aus, weil mir das Lachen in diesem Lande irgendwie vergangen ist. Eigentlich ist mir zum Weinen zumute.

Absurdistan

War die Welt immer schon so absurd? Da muss man Frau Merkelnix eigentlich loben, weil sie mit ihrer Äußerung, die USA hätten in Sachen Masri-Entführung Fehler eingeräumt, die US-Regierung in Schwierigkeiten gebracht hat. Wird sie als Kanzlerin plötzlich vernünftig?
Das der Ex-Innenminister Chily jetzt vielleicht noch nachträglich einen reingewürgt kriegt ist ja dagegen fast normal, schließlich hatte es seinen Vorgänger Kanther ja auch schon erwischt. Diese ganzen Law-and-Order-Saubermänner haben doch selbst den dicksten Dreck am Stecken.

Irgendwie freut es mich ja, dass der diesjährige Literaturnobelpreisträger Pinter in seiner Rede die USA nach allen Regeln der Kunst an den Pranger stellt und ihnen schwerste Verbrechen vorwirft. Jo.