Wo führt es hin?

Hurra, wir kriegen wahrscheinlich zum neuen Schuljahr eine/n Sozialarbeiter/in. Zumindest einen Teil von ihm oder ihr. Wobei ich es ja erst glaube, wenn ich ihn sehen und anfassen kann.

Dafür haben wir unsere Ganztagspläne mehr oder weniger auf Eis gelegt. Geld vom Kultusministerium gibt es nicht mehr, da nützen die Million von Frau Buhlman auch nichts, wenn wir uns zwar ne tolle Mensa bauen könnten, aber dort dann niemand isst, weil wir die Betreuung nicht auf die Reihe kriegen. AG-Angebote mit Hilfe von Vereinen und Kirchen wären ja noch denkbar, aber Mittagszeit und Hausaufgabenbetreuung wären höchstens ehrenamtlich zu machen – und das ist schlicht und ergreifend unrealistisch.

Im Frühjahr hatten wir großen Erfolg mit vier Testnachmittagen. Alle waren zufrieden, es klappte sehr schön. Nur haben wir einen Bedarf von 60 Stunden pro Nachmittag errechnet. Und das bei nur 90 Schülern. Das ist so nicht zu leisten. Aus politischen Gründen darf man sowas ohnehin nicht machen: dem Land eine Aufgabe umsonst erfüllen, für die es eigentlich zu zahlen hat. Für die Schüler würde man es tun.

Es ist ein beschissenes Dilemma.
Aber jetzt ohnehin kaum mit Zukunft.
Die Politik stiehlt sich aus der Verantwortung, sieht die Probleme nicht, erkennt nicht, wie groß die Defizite bei immer mehr Schülern sind, wie groß die Betreuungs- und Therapienotwendigkeit. Es ist Busemann auch einfach scheißegal. Er ist durch die Stimmen der Gymnasialeltern an die Macht gekommen. Die Hauptschule ist diesen besinnungslosen Technokraten schnurz.

Wo soll man da noch ein Fünkchen Optimismus hernehmen?
Und vor allem: Wie sollen wir unseren Schülern Optimismus vermitteln?

Mental ausgelaugt

fühle ich mich. Zu wenig Schlaf, zu genervt, zu pessimistisch gefrustet, zu ungeduldig die Ferien herbeisehenend.

Körperlich bin ich fit. Jeden Tag 40 km Fahrrad fahren, nur am Wochenende bin ich faul. Nach neun Tagen, an denen ich nun hintereinander auch morgens den Weg zur Schule radele, habe ich mich schon fast so daran gewöhnt, dass ich gar nicht mehr ohne will. So hat es wenigstens einen Wert, dass ich so früh aufwache, schließlich muss ich gegen viertel nach sechs auf dem rad sitzen, damit ich vor der ersten Stunde noch genug Zeit zum Abdampfen und Erholen habe.

Flucht auf die Deponie

Ich wiederhole mich.
Schon letzten Montag schrieb ich davon, dass ich den Montag lieber ausfallen lassen sollte. Warum ich heute in der Schule war?
Hm, ich war nicht krank und es war eine wichtige Dienstbesprechung angesetzt.
Leider war vorher noch ein Unterrichtstag. Mit vier Stunden, die ich lieber ganz schnell aus meinem Gedächtnis streichen sollte. Unter anderm wurden zwei Türen so zugeschlagen, dass ich erstaunt war, dass sie nicht aus der Zarge fielen. Und ein Pfiff schien mir das Trommelfell zu zermörsern.
Von diversen Renitenzen mal abgesehen…

Die Dienstbesprechung offenbarte mir gottseidank erstmal keine Klassenleitung, zumindest nicht die meiner besonderen Lieblingsklasse. Vielleicht kommt doch noch was, aber das ertrage ich dann…

Um viertel vor fünf war ich zu Hause, schlug eine Biergarteneinladung aus, um mich zurückzuziehen an meinen Leiblingsort hier in der Gegend: Die alte Bauschuttdeponie, längst zugewachsen mit wohlduftenden Kräutern und nachtigalligen Büschen. Dort saß ich zwei Stunden auf der Bank, las, schaute, fotografierte und konnte mich ein wenig abregen. Der farbige Himmel mit seinen Cirren und den ungezählten Kondensstreifen sowie der später aufgehende Mond machte mich sehnsüchtig fast so wie die Ballons, die über dem Leinetal schwebten.

Sehnsüchtig nach was…

Und zuguterletzt hilft Stings “Dream of the blue turtle” die Sehnsucht aufrechtzuerhalten.

Ich bin ja so gut ;-)

Vor vielleicht zwei Jahren fand ich es ja schon toll, als ich das erste Mal die ganze Woche täglich mit dem Rad nach Hause gefahren bin. Jeden Tag eine stramme Fahrradstunde. Morgens allerdings zog ich den Zug vor.
Nun hatte ich es mit vorgenommen, wenigstens am Dienstag, wenn ich erst zur 2 Stunde habe, auch morgens mit dem Rad zu fahren. In dieser Woche ist mir das sogar dreimal gelungen. Und heute saß ich so um viertel nach sechs auf den Rad und fuhr in den milden Morgen. Die dunklen Wolken irritierten mich zwischendurch, weil ich kein Regenzeug und keine Ersatzhose dabeihatte. Aber die Aufwinde hielten durch und ich blieb trocken. Irgendwie fängt der Tag so besonders gut an!

eine nette Zahl

steht da auf dem Zettel am schwarzen Brett mit der Überschrift “Flex*ible*r Unter*richtsein*satz”: 18
Zuzüglich Arbeitszeitkonto, abzüglich Anrechnungsstunden und Überstunden werde ich im nächsten Schuljahr nur 18 Stunden geben müssen. Dazu muss ich vielleicht erwähnen, dass ich mir als Single, der keine Alimente zahlen muss, Teilzeit leiste. Zwar wird die Pension dann noch weniger, aber SO erreiche ich vielleicht überhaupt das Pensionsalter ;-)

Nur was nützen die wenigen Stunden, wenn ich möglicherweise eine sehr schwierige Klasse übernehmen muss. Zwischen Hoffen und Bangen, voraussichtlich Montagnachmittag wird es sich entscheiden…

Ist das normal?

Wenn man mitten in der Nacht aufwacht, hochschreckt, denkt, dass man seine Schülergruppe irgendwo in Berlin (!) vergessen hat abzuholen, man also fürchtet, dass sie irgendwo in der großen Stadt herumirren, mit diesem Gedanken sich blitzschnell anziehen will, um dahin (wohin eigentlich?) zu fahren, mit T-Shirt und U-Hose im Bad so langsam zur Besinnung kommt, weil einem einfällt, dass diese Schüler doch alle schon am Donnerstag fein säuberlich von ihren Eltern auf dem Bahnsteig in Empfang genommen worden sind und man sich mit unglaublich klopfendem Herzen so langsam wieder beruhigt (um den rest der Nacht aber kaum richtig schlafen zu können)…

Ist nicht das erste Mal, dass ich so aus einem Traum hochschrecke, der mir suggeriert, irgendetwas wichtiges verpasst zu haben.

Ist das der Anfang von Schizophrenie?
Wie schnell wird man damit frühpensioniert?
Werden wir jetzt alle Kaninchen?

Achja, dass es heute ein richtig toller Scheißtag war in der Leeranstalt, muss ich vielleicht auch noch erwähnen. Ich glaube, ich muss mir mal angewöhnen montags krank oder blöd zu sein.

Außer Haus

war ich jetzt eine gute Woche.
Erst 48 Stunden Berlin. Fotosafari zum Drölften, aber wieder schön, wieder was Besonderes, wieder neue Motive gefunden und schöne Bilder gemacht. Und eine nette Begegnung, die ich allerdings wegen Müdigkeit nicht 100%ig genießen konnte. Erstaunlich beeindruckt hat mich das Holocaust-Mahnmal. Das Stelenfeld lädt zu vielem ein, aber es zwingt kein Gedenken auf. Das kommt trotzdem unwillkürlich, aber eher auf positive Weise.

Kaum zurück in der Heimat, fährt der Zug gen Norden. Klassenfahrt mit einer 6.Klasse. Normalerweise habe ich einen gewissen Horror vor diesen Veranstaltungen. Diesmal hatte ich mir vorher wenig Gedanken gemacht, irgendwie auch gar keine Muße dazu.
Vielleicht war das ein Grund, warum ich die Sache relativ entspannt anging. Ich ließ mich kaum nerven, wurde mit der Zeit immer lockerer und genoss es stellenweise sogar richtig. Es war aber auch eine nette Klasse, die ich bislang nur teilweise kannte. Viele schon durchaus sozialkompetent kids, die so langsam auch von ihrer Pubertät heimgesucht wurden. Entsprechend gab es Tränen aus Eifersucht und vor allem Missverständnissen. Aber am Ende stand die Versöhnung nicht der Dauergroll wie ich es bei anderen schon zu oft erlebt hatte.
Höhepunkt war die mehrstündige Paddeltour. Eine wunderbare Fortbewegungsart noch dazu, wenn es zwar sonnig aber nicht heiß ist und man selbst einigermaßen mit dem Boot und vor allem dem Paddel zurechtkommt, also den Bug relativ selten in die Böschung rammt ;-)

Nur müde war ich heute mittag so unglaublich. Dabei haben uns die kids relativ viel schlafen lassen. Aber das hieß natürlich nicht, dass ich gut schlafen konnte…